Prüfprotokoll für Photovoltaikanlagen (DIN EN 62446-1)
Wer nach einem Prüfprotokoll für die PV-Anlage sucht, findet meist Formulare für den Netzbetreiber: das Inbetriebsetzungsprotokoll nach VDE-AR-N 4105, das Datenblatt für Erzeugungsanlagen, die Anmeldung. Diese Vorlage ist etwas anderes. Sie ist das Prüfprotokoll der Elektrofachkraft nach DIN EN 62446-1 (VDE 0126-23-1), also die Dokumentation der Erst- oder Wiederholungsprüfung, mit der die Sicherheit der Anlage nachgewiesen wird und die der Betreiber erhält. Sie enthält eine Strangliste für die Gleichstromseite mit Leerlaufspannung, Kurzschlussstrom, Polarität und Isolationswiderstand je Strang, einen Block für die Wechselstromseite bis zum Netzanschluss und Felder für einen Speicher. Zum Herunterladen stehen das leere Protokoll als PDF und ein ausgefülltes Muster einer Dachanlage mit zwei Strängen und Speicher bereit; beide ohne Anmeldung.
Download, ohne Anmeldung
- Prüfprotokoll PV-AnlageAnlagendaten, Strangliste mit DC-Messwerten, Isolationswiderstand, AC-Teil, Speicher.
- Ausgefülltes MusterprotokollBeispiel einer Dachanlage mit zwei Strängen und Speicher.
Version 1.0, Stand 23.09.2026. Nutzung im eigenen Betrieb frei; Weiterverkauf und Bearbeitung zur Weitergabe nicht (Nutzungsbedingungen).
Inbetriebnahmeprotokoll oder Prüfprotokoll?
Bei der Errichtung einer netzgekoppelten PV-Anlage entstehen zwei Dokumente, die im Sprachgebrauch oft beide „Inbetriebnahmeprotokoll“ heißen, aber unterschiedliche Adressaten und Zwecke haben.
Das Inbetriebsetzungsprotokoll nach VDE-AR-N 4105:2026-03 gehört dem Netzbetreiber. Die Anwendungsregel beschreibt, wie sich Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz verhalten müssen; seit dem 1. März 2026 gilt die Ausgabe 2026-03, die die Fassung von 2018-11 samt Berichtigung ablöst und dabei auch die Formulare geändert hat. Zu ihren Formularen zählen das Datenblatt für Erzeugungsanlagen, die Konformitätserklärung mit Einheiten- und NA-Schutz-Zertifikat (seit 2025 mit Kennung aus dem Zentralen Register für Einheiten- und Komponentenzertifikate, ZEREZ), der Übersichtsschaltplan mit Messkonzept und das Inbetriebsetzungsprotokoll selbst. Es bestätigt, dass die Anlage netzkonform arbeitet, der NA-Schutz eingestellt ist und der Zähler gesetzt wurde. Ausfüllen darf es nur ein Installateur, der beim Netzbetreiber eingetragen ist. Die Registrierung im Marktstammdatenregister ist ein dritter, davon getrennter Vorgang.
Das Prüfprotokoll nach DIN EN 62446-1 (VDE 0126-23-1):2019-04 gehört dem Betreiber. Die Norm legt fest, welche Unterlagen der Errichter nach Fertigstellung übergibt und welche Prüfungen er vor der Inbetriebnahme durchführt und dokumentiert: Anlagendaten, Schaltpläne, Strangliste, Datenblätter, Betriebsanleitungen und den Prüfbericht mit Messwerten. Sie gilt für netzgekoppelte Anlagen jeder Größe; für die Wechselstromseite verweist sie auf DIN VDE 0100-600. Speicher und Hybridsysteme sind vom Anwendungsbereich ausgenommen. Die geltende Ausgabe 2019-04 übernimmt EN 62446-1:2016 mit der Änderung A1:2018. Ein Entwurf E DIN EN IEC 62446-1:2026-01 liegt seit Dezember 2025 vor; die Einspruchsfrist endete im Februar 2026, ein Weißdruck war am 23.09.2026 nicht bekannt.
| Merkmal | Inbetriebsetzungsprotokoll (VDE-AR-N 4105) | Prüfprotokoll (DIN EN 62446-1) |
|---|---|---|
| Adressat | Netzbetreiber | Betreiber, Auftraggeber |
| Zweck | Netzkonformität, NA-Schutz, Zähler, Einspeisung | Elektrische Sicherheit, Übergabedokumentation, Basis für Wiederholungsprüfungen |
| Ersteller | Beim Netzbetreiber eingetragener Installateur | Elektrofachkraft |
| Formular | Vorgabe des Netzbetreibers; Formularsatz der Anwendungsregel | Eigenes Protokoll des Prüfbetriebs |
| Kontrolle | Netzbetreiber prüft auf Vollständigkeit | Keine externe Kontrolle; Betreiber muss Vollständigkeit selbst einfordern |
| Wiederkehrend | Nein | Ja, Grundlage für jede spätere Prüfung |
Diese Vorlage bildet das zweite Dokument ab. Sie ersetzt keine Netzbetreiber-Formulare und keine Herstellerprotokolle des Wechselrichters, sondern ergänzt sie. Zusammen ergeben beide Dokumente die Unterlagen, die Netzbetreiber und Betreiber brauchen.
DC-Teil: Strangmessungen
Der DC-Teil unterscheidet das PV-Protokoll von jedem anderen Prüfprotokoll. Ein PV-Generator lässt sich nicht freischalten: Solange Licht auf die Module fällt, steht am Strang Spannung an, bei üblichen Hausdachanlagen zwischen 400 und 1.000 V DC. Gemessen wird deshalb bei vom Wechselrichter getrenntem Strang, mit Prüfgeräten, die für die Systemspannung und den Kurzschlussstrom des Strangs ausgelegt sind. Ein DC-Lichtbogen erlischt nicht von selbst; Stecker werden nie unter Last gezogen.
Die Vorlage führt je Strang eine Zeile; die folgenden Felder gehören dazu oder stehen einmal je Anlage in den Anlagendaten:
| Feld | Einheit | Bemerkung |
|---|---|---|
| Strang-Nr., Wechselrichter, MPP-Eingang | – | Eindeutige Zuordnung, wie im Schaltplan |
| Modulhersteller, Typ, Anzahl in Reihe | – | Grundlage für den Sollwert der Leerlaufspannung |
| Ausrichtung, Neigung | °, ° | Erklärt Unterschiede zwischen Strängen |
| Polarität | richtig / vertauscht | Vor jeder weiteren Messung; Vertauschung kann Wechselrichter oder Freischalter beschädigen |
| Leerlaufspannung U_oc gemessen | V DC | Bei geöffnetem Strang |
| U_oc erwartet | V DC | Anzahl Module × U_oc laut Datenblatt, korrigiert um die Modultemperatur |
| Temperaturkoeffizient der Leerlaufspannung α_Uoc | %/K | Aus dem Moduldatenblatt, in den Anlagendaten; ohne ihn ist der Sollwert nicht nachrechenbar |
| Strangstrom gemessen, mit Messart | A DC | Kurzschlussstrom I_sc nur mit Prüfgerät oder Schalter, der den Strangstrom sicher schalten kann; alternativ Betriebsstrom. Welche der beiden Messarten verwendet wurde, wird vermerkt |
| Sollwert des Strangstroms | A DC | I_sc laut Datenblatt, umgerechnet auf die gemessene Einstrahlung |
| Isolationswiderstand R_ISO, mit Verfahren | MΩ | Beide Pole einzeln gegen Erde oder Strang kurzgeschlossen gegen Erde; die Norm kennt beide Verfahren, das verwendete wird vermerkt. Prüfspannung eintragen. Bei ungeerdetem Gestell gegen Modulrahmen und gegen Erdungsschiene messen |
| Prüfspannung | V DC | Nach Systemspannung, siehe Grenzwerte |
| Einstrahlung, Modultemperatur, Uhrzeit | W/m², °C, hh:mm | Randbedingungen, einmal je Messreihe in den Anlagendaten; ohne sie ist der Strom nicht bewertbar |
| Strangsicherung, DC-Freischalter, Überspannungsschutz DC | Typ, Nennwert, Zustand | In den Anlagendaten; aus Besichtigung und Datenblatt |
Zusätzlich für die Gesamtanlage: Durchgängigkeit der Schutz- und Potentialausgleichsleiter zwischen Modulrahmen, Montagegestell, Generatoranschlusskasten und Haupterdungsschiene (Prüfstrom mindestens 200 mA, Widerstand in Ω), Zustand der DC-Leitungen und Steckverbinder, Kennzeichnung der DC-Stromkreise, Warnhinweise am Hausanschluss und am Wechselrichter.
Bewertet wird durch Vergleich: Stränge gleicher Bauart und Ausrichtung müssen bei gleichzeitiger Messung ähnliche Werte liefern. In der Praxis werden als Faustregel rund 5 % Abweichung bei der Leerlaufspannung und rund 10 % beim Kurzschlussstrom zwischen gleichartigen Strängen bzw. zum korrigierten Datenblattwert genannt. Eine deutlich zu niedrige Leerlaufspannung deutet auf ein fehlendes oder kurzgeschlossenes Modul, ein zu niedriger Strom auf Verschattung, Verschmutzung oder einen Kontaktfehler. Die Kennlinienmessung (I-U-Kennlinie) ist eine Zusatzprüfung, die solche Fehler genauer eingrenzt; sie ist in der Norm vorgesehen, aber nicht für jede Anlage gefordert, und hat in der Vorlage ein optionales Feld. Für die Umrechnung auf Standard-Testbedingungen verlangt sie mindestens 700 W/m² (IEC 61829), also deutlich mehr Licht als die Strommessung.
Grenzwerte und Richtwerte
Für den PV-Generator gibt es nur einen echten Grenzwert: den Isolationswiderstand. Alle anderen DC-Größen werden durch Vergleich bewertet. Die Werte stammen aus Fachbeiträgen zur DIN EN 62446-1 (BFE Oldenburg auf elektro.net, pvBuero) und aus Herstellerunterlagen zu PV-Prüfgeräten; der Normtext ist nicht frei zugänglich, die Zahlen sind deshalb von der Prüfperson gegen die aktuelle Normausgabe zu prüfen.
| Messgröße | Grenz- oder Richtwert | Bedingung | Quelle |
|---|---|---|---|
| R_ISO DC, Systemspannung unter 120 V | ≥ 0,5 MΩ bei 250 V DC | Messung je Strang oder Teilgenerator | elektro.net (BFE), 2019 |
| R_ISO DC, 120 bis 500 V | ≥ 1 MΩ bei 500 V DC | Messung je Strang oder Teilgenerator | elektro.net (BFE), 2019 |
| R_ISO DC, 500 bis 1.000 V | ≥ 1 MΩ bei 1.000 V DC | Regelfall bei Hausdachanlagen; je Strang oder Teilgenerator | elektro.net (BFE), 2019 |
| R_ISO DC, über 1.000 V | ≥ 1 MΩ bei 1.500 V DC | Prüfgerät mit 1.500 V Prüfspannung erforderlich; Geräte der 1.000-V-Klasse liefern diesen Wert nicht | elektro.net (BFE), 2019 |
| R_ISO DC, Erfahrungswert | 60 bis 200 MΩ je Strang | Intakte Anlage; Werte nahe 1 MΩ sind ein Befund, auch wenn formal bestanden | pvBuero, 2021 |
| Durchgängigkeit PE / Potentialausgleich | kein Normgrenzwert; Praxis unter 1 Ω | Modulrahmen, Gestell, GAK gegen Haupterdungsschiene; Prüfstrom ≥ 200 mA | pvBuero, 2021; DGUV Information 203-072 |
| U_oc je Strang | Anzahl Module × U_oc (Datenblatt), temperaturkorrigiert mit α_Uoc; Abweichung zwischen gleichartigen Strängen rund 5 % (Richtwert) | Gleichzeitige oder zeitnahe Messung; Modultemperatur erforderlich | Prüfbetrieb (echeck-elektro.de), 2026 |
| I_sc je Strang | I_sc (Datenblatt) × Einstrahlung / 1.000 W/m²; Abweichung rund 10 % (Richtwert) | Einstrahlung mit Referenzzelle in Modulebene messen; ab 400 W/m² und stabiler Einstrahlung bewertbar, darunter nur eingeschränkt. Kennlinie mit Umrechnung auf Standard-Testbedingungen ab 700 W/m² | Prüfgerätehersteller zur DIN EN 62446-1 (Seaward), IEC 61829; Prüfbetrieb (echeck-elektro.de), 2026 |
| Polarität | richtig an jedem Strang und am Wechselrichtereingang | Vor Isolations- und Strommessung | DIN EN 62446-1, Prüfschritt |
| R_ISO AC-Stromkreis Wechselrichter | ≥ 1 MΩ bei 500 V DC | Erstprüfung; Wechselrichter abgeklemmt oder Herstellerangabe | wie Vorlage Erstprüfung |
| Schleifenimpedanz Zs AC | Abschaltung in 0,4 s (Endstromkreis) bzw. 5 s; Bewertung mit 2/3-Regel | TN-Netz, Überstromschutz des Wechselrichterstromkreises | wie Vorlage Erstprüfung |
| RCD im Wechselrichterstromkreis | Auslösung bei IΔn; Typ B, sofern der Wechselrichter keine einfache Trennung bietet. Typ A oder F nur, wenn der Hersteller bestätigt, dass kein Typ B erforderlich ist | DIN VDE 0100-712:2016-10, Abschnitt 712.531.3.101; ob überhaupt ein RCD nötig ist, ergibt sich aus Schutzmaßnahme, Netzform oder Brandschutz | elektro.net; Mitegro eAcademy |
| Drehfeld | Rechtsdrehfeld | Dreiphasige Wechselrichter | wie Vorlage Erstprüfung |
Isolationsüberwachung des Wechselrichters. Häufig zitierte Werte wie „1 kΩ je Volt, mindestens 500 kΩ“ gehören nicht zu den Grenzwerten der Prüfung. Sie stammen aus der Isolationsüberwachung trafoloser Wechselrichter nach VDE V 0126-1-1: Das Gerät misst vor dem Zuschalten selbst und speist nicht ein, wenn der Wert unterschritten wird. Bei großen Generatoren setzen Hersteller die Schwelle herab, teils nach einer Formel aus der Gleichstromleistung. Für das Protokoll bedeutet das: Der gemessene Isolationswiderstand wird gegen die Tabelle oben bewertet; die Geräteschwelle erklärt lediglich, warum ein Wechselrichter mit Isolationsfehler stehen bleibt, obwohl der Strang den Grenzwert einhält.
Die AC-Werte im Detail, einschließlich der Tabellen für Schleifenimpedanz und RCD-Auslösezeiten, stehen bei der Vorlage Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600.
AC-Teil
Ab den AC-Klemmen des Wechselrichters ist die PV-Anlage eine gewöhnliche elektrische Anlage. Die Prüfung folgt DIN VDE 0100-600 mit Besichtigen, Erproben und Messen; die Norm für PV-Anlagen verweist für diesen Teil ausdrücklich darauf. Die Vorlage enthält dafür einen verkürzten Block, weil der Wechselrichterstromkreis meist aus einem einzigen Abgang besteht:
- Zuleitung und Schutzorgan: Leitungstyp, Querschnitt, Länge, Überstromschutz (Charakteristik, Nennstrom), Zuordnung zur Verteilung; eigener Stromkreis ohne weitere Verbraucher.
- Fehlerstrom-Schutzeinrichtung: Typ, Bemessungsdifferenzstrom, Auslösestrom und Auslösezeit. Ob überhaupt ein RCD verlangt ist, ergibt sich aus Schutzmaßnahme, Netzform oder Brandschutz. Sitzt einer im Wechselrichterstromkreis, fordert DIN VDE 0100-712:2016-10 in Abschnitt 712.531.3.101 den allstromsensitiven Typ B; Typ A oder F genügen nur, wenn der Wechselrichter eine einfache Trennung besitzt oder der Hersteller bestätigt, dass kein Typ B nötig ist. Das Protokoll hat dafür ein Auswahlfeld und ein Feld für die Herstellerbestätigung.
- Messungen: Isolationswiderstand der Zuleitung, Schleifenimpedanz oder Kurzschlussstrom am Wechselrichteranschluss, Spannung je Außenleiter, Drehfeld bei dreiphasigen Geräten.
- NA-Schutz: bei Anlagen bis 30 kVA meist im Wechselrichter integriert, darüber als zentrale Einrichtung mit Kuppelschalter. Im Protokoll: Ausführung, eingestellte Parameter laut Netzbetreiber, Funktionsprobe der Netztrennung (Wechselrichter schaltet nach Trennung vom Netz ab und nach Wiederkehr zeitverzögert zu). Die Einstellwerte selbst sind Gegenstand des Netzbetreiber-Protokolls.
- Überspannungsschutz AC: Typ, Einbauort, Zustandsanzeige, Anschluss an die Haupterdungsschiene.
- Trennstelle und Kennzeichnung: Freischaltmöglichkeit am Wechselrichter, Warnschild „PV-Anlage“ am Hausanschluss und Zählerplatz, Beschriftung des Stromkreises in der Verteilung.
- Erdung und Potentialausgleich: Verbindung von Gestell, Wechselrichtergehäuse und Überspannungsschutz zur Haupterdungsschiene; bei äußerem Blitzschutz Trennungsabstand oder Anbindung laut Blitzschutzkonzept.
Bei einer größeren Anlage mit mehreren Wechselrichtern und eigener Unterverteilung reicht der Kurzblock nicht. Dann wird die Stromkreisliste der Vorlage Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600 angehängt.
Wiederkehrende Prüfung und Speicher
Die Vorlage hat im Kopf das Feld „Anlass“ mit den Optionen Erstprüfung oder Inbetriebnahme, wiederkehrende Prüfung sowie Prüfung nach Änderung oder Instandsetzung. Für die wiederkehrende Prüfung gelten dieselben Felder; hinzu kommt der Vergleich mit den Werten der Erstprüfung. Deshalb ist das Protokoll der Erstprüfung so wichtig: Ohne Ausgangswerte lässt sich ein langsam sinkender Isolationswiderstand oder ein nachlassender Strangstrom nicht erkennen.
Fristen. Wer eine PV-Anlage gewerblich betreibt, unterliegt der DGUV Vorschrift 3; nach verbreiteter Auffassung zählt dazu bereits die Einspeisung gegen Vergütung. Der Richtwert für ortsfeste Anlagen liegt bei vier Jahren. Für Betriebsstätten besonderer Art nennt die Durchführungsanweisung ein Jahr; die Fachpresse zählt dazu auch PV-Installationen nach DIN VDE 0100-712. Die DGUV Information 203-080 „Montage und Instandhaltung von Photovoltaik-Anlagen“ (April 2015) ergänzt Betreiberkontrollen: tägliche Kontrolle der Betriebsanzeige, monatliche Sichtprüfung der Generatorfläche, alle vier Jahre die vollständige Prüfung durch eine Elektrofachkraft. Für private Anlagen gibt es keine Pflicht; Versicherer und Hersteller empfehlen denselben Turnus, Sachversicherer verlangen teils jährliche Sichtprüfungen. Nach Sturm, Hagel, Brand oder Arbeiten am DC-Teil ist eine außerordentliche Prüfung angezeigt. Die Instandhaltungsnorm DIN EN IEC 62446-2 (VDE 0126-23-2):2021-08 nennt keine festen Intervalle, sondern Kriterien für deren Festlegung.
Sichtprüfung bei der Wiederholung. Module auf Glasbruch, Verfärbungen, Delamination und Schneckenspuren; Steckverbinder auf Verfärbung und festen Sitz; DC-Leitungen auf UV-Schäden, Scheuerstellen und Tierverbiss; Gestell und Erdungsverbindungen auf Korrosion; Generatoranschlusskasten auf Feuchte und Zustand der Überspannungsableiter; Wechselrichter auf Fehlermeldungen und Lüfter. Thermografie und Kennlinienmessung sind sinnvolle Zusatzprüfungen bei Ertragsverlust oder auffälligen Strangwerten.
Speicher. DIN EN 62446-1 gilt nicht für Speicher und Hybridsysteme; auch der Entwurf 2026 schließt sie aus. Die Vorlage enthält trotzdem Felder für den Speicher, weil kaum eine neue Anlage ohne Speicher gebaut wird: Hersteller, Typ und Kapazität in den Anlagendaten, Aufstellort, Kennzeichnung und Herstellervorgaben in der Besichtigung, Lade- und Entladebetrieb sowie Not-Aus in der Erprobung. Fachliche Grundlagen sind die Herstellervorgaben, DIN VDE 0100-551 für Stromerzeugungseinrichtungen und die Anwendungsregel VDE-AR-E 2510-2:2021-02 für stationäre Speichersysteme. Die Felder dokumentieren, was geprüft wurde; die Inbetriebnahme nach Herstellervorgabe ersetzen sie nicht.
Fristen: DGUV V3 Prüffristen. Pflichtfelder: Was gehört ins Prüfprotokoll? Verwandt: Prüfprotokoll Wallbox. Unterschied der Prüfarten: Erstprüfung und Wiederholungsprüfung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Inbetriebnahmeprotokoll und Prüfprotokoll?
Das Inbetriebsetzungsprotokoll nach VDE-AR-N 4105 ist ein Formular des Netzbetreibers. Es bestätigt, dass die Anlage netzkonform arbeitet, der NA-Schutz eingestellt ist und der Zähler gesetzt wurde; ausfüllen darf es nur ein eingetragener Installateur. Das Prüfprotokoll nach DIN EN 62446-1 dokumentiert die Sicherheitsprüfung der Elektrofachkraft mit Strangmesswerten, Isolationswiderstand und AC-Messungen und wird dem Betreiber übergeben. Beide Dokumente ergänzen sich; diese Vorlage ist das zweite.
Welche Messungen gehören in den DC-Teil?
Je Strang die Polarität, die Leerlaufspannung im Vergleich zum temperaturkorrigierten Datenblattwert, der Kurzschlussstrom oder Betriebsstrom im Vergleich zur gemessenen Einstrahlung und der Isolationswiderstand mit der zur Systemspannung passenden Prüfspannung. Für die Gesamtanlage die Durchgängigkeit der Schutz- und Potentialausgleichsleiter von Modulrahmen und Gestell bis zur Haupterdungsschiene. Einstrahlung, Modultemperatur und Uhrzeit werden als Randbedingungen festgehalten, sonst sind die Stromwerte später nicht vergleichbar. Die Kennlinienmessung ist optional.
Wie oft muss eine PV-Anlage geprüft werden?
Für gewerblich betriebene Anlagen gilt die DGUV Vorschrift 3 mit dem Richtwert von vier Jahren für ortsfeste Anlagen; die Frist legt der Betreiber in der Gefährdungsbeurteilung fest. Die DGUV Information 203-080 (April 2015) ergänzt eine tägliche Kontrolle der Betriebsanzeige und eine monatliche Sichtprüfung der Generatorfläche durch den Betreiber. Für private Anlagen besteht keine Pflicht; empfohlen wird derselbe Turnus, Versicherer verlangen teils jährliche Sichtprüfungen. Nach Sturm, Hagel oder Arbeiten am DC-Teil wird außerplanmäßig geprüft.
Gilt die Vorlage auch für Speicher?
Die Vorlage enthält Felder für einen Speicher: Hersteller, Typ und Kapazität in den Anlagendaten, Aufstellort, Kennzeichnung und Herstellervorgaben in der Besichtigung, Lade- und Entladebetrieb sowie Not-Aus in der Erprobung. DIN EN 62446-1 selbst gilt nicht für Speicher und Hybridsysteme; für diesen Teil sind die Installationsanleitung des Herstellers, DIN VDE 0100-551 für Stromerzeugungseinrichtungen und die Anwendungsregel VDE-AR-E 2510-2:2021-02 für stationäre Speicher maßgebend. Die Felder halten fest, was geprüft wurde; die Inbetriebnahme nach Herstellervorgabe ersetzen sie nicht.
Wer darf eine PV-Anlage prüfen?
Eine Elektrofachkraft, die mit Gleichstromsystemen vertraut ist. PV-Stränge lassen sich nicht spannungsfrei schalten, Gleichstrom-Lichtbögen erlöschen nicht von selbst, und die Prüfgeräte müssen für die Systemspannung und den Strangstrom ausgelegt sein. Für den Netzanschluss und das Inbetriebsetzungsprotokoll des Netzbetreibers ist zusätzlich die Eintragung im Installateurverzeichnis erforderlich. Die wiederkehrende Prüfung einer bestehenden Anlage kann auch ein anderer Fachbetrieb als der Errichter übernehmen, sofern die Ausgangsdokumentation vorliegt.
Quellen
- DKE, Normeintrag DIN EN 62446-1 (VDE 0126-23-1):2019-04: dke.de
- VDE Verlag, Entwurf E DIN EN IEC 62446-1 (VDE 0126-23-1):2026-01, Änderungen und Anwendungsbereich: vde-verlag.de
- Dirk Maske (BFE Oldenburg), „Dokumentation und Prüfanforderungen an netzgekoppelte Systeme“, elektro.net, 05.04.2019: elektro.net
- Forum Verlag, „Neue DIN EN 62446-1 erweitert Pflichten bei der System- und Prüfdokumentation“, 09.12.2016: forum-verlag.com
- Matthias Diehl (pvBuero), „Messung des Isolationswiderstandes an Photovoltaikanlagen“, 23.06.2021: photovoltaikbuero.de
- pvBuero, „Die Erstinbetriebnahme von Photovoltaikanlagen“ (Abgrenzung VDE-AR-N 4105 und DIN EN 62446): photovoltaikbuero.de
- VDE FNN, Formulare zur VDE-AR-N 4105 (Anhang E/F, PDF): vde.com
- photovoltaik.info, „VDE-AR-N 4105: Die finale Prüfung Ihrer PV-Anlage“, Stand 24.11.2025: photovoltaik.info
- elektrofachkraft.de, „Prüfung von PV-Anlagen nach DGUV Vorschrift 3“, Stand 05.10.2021: elektrofachkraft.de
- elektrofachkraft.de, „DIN EN IEC 62446-2: Instandhaltung netzgekoppelter PV-Systeme“, 02.09.2022: elektrofachkraft.de
- KomNet NRW, „Wie oft müssen Photovoltaik-Anlagen einer wiederkehrenden Prüfung unterzogen werden?“, Antwort vom 08.10.2024 mit Bezug auf DGUV Information 203-080: komnet.nrw.de
- ALBOUSH Elektrotechnik, „PV-Anlage prüfen – Erst- und Wiederholungsprüfung DIN EN 62446“, 17.05.2026 (Praxiswerte zu U_oc/I_sc-Toleranzen): echeck-elektro.de
- DGUV Vorschrift 3, § 5 mit Durchführungsanweisung (Tabelle 1A): Regelwerk der BG BAU
- DGUV Information 203-080 „Montage und Instandhaltung von Photovoltaik-Anlagen“, April 2015 (PDF): publikationen.dguv.de
- VDE Verlag, VDE-AR-N 4105 Anwendungsregel:2026-03: vde-verlag.de
- DKE, VDE-AR-E 2510-2:2021-02 (stationäre Speichersysteme): dke.de
- DKE, E DIN VDE 0100-712:2022-10, und IEC 60364-7-712:2025 (Ed. 3.0): dke.de, iec.ch
- elektro.net, Praxisproblem „Wechselrichter ohne Transformator – RCD Typ B oder B+ versus RCMU“, und Mitegro eAcademy, „Fehlerstromschutz für Photovoltaik-Anlagen“ (Abschnitt 712.531.3.101 mit Ausnahmen): elektro.net, eacademy.mitegro.com
- Seaward, „Can I perform I-V curve measurements at low irradiance levels?“ (ab 400 W/m²), und Power Quality Expert zu IEC 61829 (ab 700 W/m² für die Umrechnung auf Standard-Testbedingungen): seaward.com, powerqualityexpert.com
- Benning, Bedienungsanleitung PV 2, 01/2024 (Prüfspannungen und Grenzwerte, Prüfstrom 200 mA, Messung gegen Rahmen und Erde): benning.de
- SMA, Technische Information „Riso“, und Bender, Fachartikel GT11 (Herkunft des Werts 1 kΩ je Volt aus VDE V 0126-1-1): files.sma.de, bender.de
Alle Quellen abgerufen am 22. und 23.09.2026. Normbezeichnungen dienen der Beschreibung; Normtexte werden nicht wiedergegeben. Als Praxiswert gekennzeichnete Angaben stammen aus einzelnen Fachquellen und sind vor Verwendung gegen die aktuelle Normausgabe und die Herstellerangaben zu prüfen.
Änderungsprotokoll der Vorlage
| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 1.0 | 24.09.2026 | Freigegebene Fassung: Rechtstexte 1.0, Kontaktadresse und Kennzeichnung final (zuvor 0.2) |
| 0.1 | 22.09.2026 | Erste Fassung: PDF und Musterprotokoll |
| 0.2 | 23.09.2026 | Isolationsüberwachung des Wechselrichters vom Prüfgrenzwert abgegrenzt, RCD-Typ nach DIN VDE 0100-712, Strangliste und Normstand ergänzt |